Chaos Coronaregeln – warum wir Klarheit brauchen und keinen Hickhack

Dank COVID-19 und ständig wechselnder Coronaregeln habe ich dieses Mal einen etwas anderen Jahresrückblick für euch. Denn es war eine seltsame Hochzeitssaison, das könnt ihr mir glauben. Doch lest selbst…!

Wir schreiben das Jahr 2020. Monat Oktober. Zu diesem Zeitpunkt blicke ich normalerweise auf eine prall gefüllte Hochzeitssaison mit sicherlich vielen wunderbaren Highlights zurück! Wie immer etwas erschöpft, aber auch glücklich über diesen für mich schönsten Job der Welt als freie Traurederin für Hamburg und Umgebung. Erfüllt von den vielen Erlebnissen, glücklichen Brautpaaren und fröhlichen Gästen, wunderbaren Locations und einem Sack neuer Erfahrungen.

Foto freie Trauung - Blogpost Chaos Coronaregeln
Eine erfüllende Hochzeitssaison sollte jetzt eigentlich hinter mir liegen!

Erschöpfung? Ja! Aber…

  • Erschöpft bin ich tatsächlich! Nur leider nicht von den vielen Hochzeiten.
  • Einen Sack neuer Erfahrungen habe ich auch bekommen. Allerdings hätte ich auf viele davon verzichten können.
  • Von glücklichen Brautpaaren, fröhlichen Gästen und wunderbaren Locations konnte ich bis auf wenige Highlights nur träumen. Gemeinsam mit allen Paaren, die ihre Hochzeit wegen der Coronaregeln verschieben mussten.

Von einer ausgebuchten Saison blieben insgesamt 8 Trauungen übrig. Und damit konnte ich mich noch glücklich schätzen im Vergleich zu vielen Kolleginnen.

Einheitliche Coronaregeln? Leider Fehlanzeige

Klare Ansagen und einheitliche Coronaregeln gibt es leider bis heute nicht. In dieser Saison wusste daher niemand, wie Feierlichkeiten und Hochzeiten zu handhaben sind, seitens der Politik mündete die Diskussion meist in einem Regelkanon, der das Feiern ad absurdum führte.

So durfte in Hamburg nicht getanzt werden. Man konnte zwar 50 Menschen einladen, aber um 23 Uhr hieß es „Zapfenstreich“ und jeder Gast habe auf seinem Platz zu bleiben. Katharina Fegebank äußerte sich jüngst dazu, dass es ihr völlig neu sei, dass nicht mal ein Hochzeitstanz des Brautpaares erlaubt sei. Sie sagte, das könne ja nicht sein!

Das ist aber so! Doch was tatsächlich nicht sein kann, ist, dass Frau Fegebank davon nichts weiß!

Tatsache war, dass es in diesem Sommer aufgrund dieser teilweise absurden Coronaregeln weitere Hochzeits-Absagen hagelte von Brautpaaren, die natürlich unter solchen Restriktionen nicht wussten, wie sie eine Feier durchführen sollten. Und dies passierte gleichzeitig, als die Feierwütigen wieder nach Mallorca fliegen durften, um sich dicht gedrängt in alter Manier am Ballermann die Kante zu geben und so in kürzester Zeit alle Errungenschaften gegen das Corona-Virus wieder zunichte zu machen! Da passt etwas ganz und gar nicht zusammen, oder?

Coronaregeln sind wichtig – aber dann bitte fair

Bitte versteht mich nicht falsch. Meine Ausführungen sollen nicht so klingen, als würde ich die Maßnahmen gegen Corona komplett infrage stellen. Klar ist auch, dass das Virus weltweit für Chaos gesorgt hat und alle Maßnahmen und Regeln immer wieder aktualisiert und angepasst werden müssen. Dass dies ein Prozess ist, ist gar keine Frage. Und selbstverständlich müssen diese Vorsichtsmaßnahmen auch private Feierlichkeiten – wie etwa eine Hochzeit oder freie Trauung – betreffen. Ich finde es absolut sinnvoll, Maßnahmen zu ergreifen und uns Menschen zu schützen. Auch wenn diese einschränkend sind.

So kritisiere ich keinesfalls die Coronaregeln an sich!

Denn wie sich gezeigt hat können größere Hochzeiten und andere Feiern wie in Hamm, wenn Hunderte Menschen dicht gedrängt und mit Alkohol als letzte Festung gegen Social Distancing das Gruppenknuddeln und Aerosoldurchmischung wieder gesellschaftsfähig machen, dafür sorgen, dass Corona sich wieder rasend schnell verbreitet!

Das ist natürlich zu vermeiden. Aber insbesondere dabei verstehe ich nicht, wie unterschiedlich die Regelungen gehandhabt werden. In einigen Bundesländern sind die Coronaregeln teilweise absurd streng, in anderen absurd locker!?

Auch erschließt sich mir nicht, warum meinen Brautpaaren der Hochzeitstanz verboten wird, aber andererseits die Menschen wieder in alle Lande fliegen und das Virus munter weiter verteilen?! Oder die Diskussion um Weihnachtsmärkte kein Ende nimmt. Von irrsinnig hohen Subventionen für gewisse Branchen mit Riesen-Lobby einmal ganz zu schweigen.

Die Eventbranche am Boden

Wie sagte neulich eine Kollegin:

„Eine klare Regelung für alle Bundesländer sowie ein gutes Hilfsprogramm seitens der Politik für alle Menschen, die im Event- und Kulturbereich arbeiten, hätte uns viel Bangen und Diskutieren erspart.“

Dem stimme ich absolut zu. Ein derartiges Vorgehen hätte uns eine Perspektive gegeben. Wir hätten nicht alle um unsere Existenz bangen müssen. Sicherlich tut es mir auch für die vielen Brautpaare leid, die ihre Feier verschieben mussten :-(! Die einiges an Geld in den Wind schießen mussten und in ihren Planungen immer wieder behindert wurden.

Doch es ist leider noch viel fataler für alle Menschen, die in der Kultur- und Eventbranche arbeiten und nicht wissen, ob sie 2021 wieder im Einsatz sein dürfen:

  • diejenigen, die durch alle Raster für Hilfspakete fielen, aber trotzdem immer gearbeitet haben und auch Anspruch auf Hilfe hätten;
  • alle Selbständigen aus dieser Branche, die nicht wissen, ob sie sich den Job, den sie sich aufgebaut haben, noch leisten können werden;
  • alle, die in der Event- und Kulturbranche arbeiten, die wir nicht wissen, ob es überhaupt wieder eine Perspektive gibt, ob wir an unseren Jobs festhalten sollen, an unseren Verträgen, die wir eingegangen sind oder ob wir besser die Beine in die Hand nehmen, dieser Branche den Rücken kehren und einen systemrelevanten Beruf ergreifen sollen.

Tragfähige Coronaregeln müssen her

Sicher ist, dass das Corona-Virus am 31.12.2020 um 00 Uhr sicher nicht sagen wird: Danke für das schöne Jahr, ich bin dann mal weg. Es wird uns weiter begleiten und wir müssen Formen finden, wie wir trotz Einschränkungen oder sinnvoller Hygienemaßnahmen miteinander feiern, Kultur erleben und Freizeit gestalten können. Leider haben wir Selbständigen und Künstler*innen keine Lobby, die es uns ermöglicht, von einem 9-Mrd.-Hilfspaket zu profitieren. Und langsam wird die Luft hier oben dünner im nicht-systemrelevanten-darauf-können-wir-notfalls-auch-verzichten-Bereich.

Foto Traurednerinnen Nachholparty Hochzeit dank Coronaregeln
Bleibt flexibel liebe Brautpaare und holt eure Trauung nach!

Ich hoffe daher, dass weiter daran getüftelt wird, tragfähige Konzepte für den Kultur-und Eventbereich umzusetzen. Und zudem hoffe ich, dass die Menschen und auch die Brautpaare flexibel bleiben und sich evtl. auf Konzepte einlassen, die sie vorher nicht auf dem Schirm hatten, die aber dennoch eine großartige Feier eines der schönsten Momente des Lebens ermöglichen. Und genau darum werde ich mich im nächsten Blogartikel kümmern. Da werde ich wieder die positive Brille aufsetzen und Ideen vorstellen, wie Heiraten auch in Zeiten von COVID-19 gelingen kann!

VERSPROCHEN!

Eure Birte 🙂

2 Kommentare

  1. Sehr treffend und gut geschrieben, liebe Birte! Danke, dass Du das Thema so gut auf den Punkt bringst. Hab mich gefreut, dass Du meinen Ausspruch mit eingebaut hast. Auf ein frohes 2021! GLG, Jasmin aka Trauzucker.

    • Danke, liebe Jasmin. Du hast es neulich eben gesagt, wir hätten mehr Klarheit gebraucht und Hilfen, die auch für unsere Branche greifen. Das war leider nicht der Fall. Aber wir schaffen das und 2021 wird wieder unser Jahr, ich glaube daran, an uns und den Power der „freien Trauung“!

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