Aus dem Nähkästchen einer Hochzeitsrednerin aus Hamburg

„Was machst du eigentlich beruflich? Wie, du bist Hochzeitsrednerin aus Hamburg? Was macht man denn da überhaupt?“… Rund um meinen Beruf gibt es Fragen über Fragen, die mir oft gestellt werden. Entweder ganz allgemein zu meiner Tätigkeit als Traurednerin oder auch ganz speziell von Brautpaaren. Dabei gibt es bestimmte Fragen, die ich immer wieder höre. Deshalb habe ich diese mal zusammengetragen und werde nun eine kleine Serie daraus machen. Jede Woche gibt´s dann eine neue Frage mit passender Antwort. Oder anders ausgedrückt:

5 Fragen – 5 Antworten: Aus dem Nähkästchen einer Hochzeitsrednerin aus Hamburg…

Vielleicht könnt ihr ja etwas davon mitnehmen, besonders wenn auch ihr euch schon die eine oder andere Frage davon gestellt habt oder/und gerade mitten in der Hochzeitsplanung steckt :-).

Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Foto: Larissa Rosenbohm

Und los geht’s:

Frage 1: Wie wird man eigentlich Traurednerin?

Gute Frage! Ich würde mal behaupten, dass eigentlich niemand von Beginn seiner Berufskarriere an ein Trauredner oder eine Traurednerin ist. Es gibt dafür in dem Sinne keine zielgerichtete Ausbildung oder ein spezifisches Studium. Natürlich bieten inzwischen einige versierte Kolleginnen und Kollegen Weiterbildungen in diesem Bereich an für die derzeit stetig wachsende Branche.

Aber so wie es bei mir war, habe ich es auch von vielen anderen Hochzeitsredner/innen gehört. Man kommt dazu ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde. Einige sind bereits als Eventplaner in der Hochzeitsbranche tätig gewesen. Dann gibt es natürlich als besondere Untergruppe die freien Theolog/innen. Unter uns freien Redner/innen ohne theologischen Bezug gibt es zudem viele mit journalistischem, sozialpädagogischem, schauspielerischem oder sängerischem Ausbildungshintergrund. Es ist wirklich ganz bunt gemischt.

So war es bei mir:

Bei mir speziell war es Letzteres. Ich habe zusammen mit meiner Schwester Anne-Brit als Hochzeitsduo „It’s a Sisters Act“ für viele Paare bei Trauungen gesungen. Dadurch haben wir – Anne-Brit und ich – das Konzept der freien Trauung kennen gelernt und uns darin verliebt. Mit lauter eigenen Ideen im Kopf und vor dem Hintergrund, dass wir als Musikerinnen, Pädagogin und Texterin von Berufswegen gewohnt waren, vor Menschen zu sprechen oder für Menschen zu schreiben, lag der nächste Schritt nahe. Schon oft hatten wir uns gewünscht, mehr von den Paaren zu erfahren – über ihre Geschichte, die Hintergründe und ihr Zusammenleben. Und so weiteten wir unser Konzept 2016 aus zur freien Trauung mit Rede und Musik. Aus gesundheitlichen Gründen musste Anne-Brit dann fürs Erste aussteigen, aber unser besonderes Konzept der freien Trauung sollte natürlich erhalten bleiben.

Also entschloss ich mich, unsere Agentur alleine weiterzuführen – von nun an unter dem Namen „TraumTöne“ – und bin nach wie vor ganz begeistert von diesem Beruf, der mich immer wieder an die ungewöhnlichsten Orte führt! Auf dem Foto seht ihr mich bspw. auf einem Segelschiff: auf der Rickmer Rickmers, wo ich letztes Jahr eine freie Trauung mit anschließendem Sektempfang durchführen durfte. Ich kann euch sagen, kalt war`s (die Trauung fand im Oktober statt), aber als Hochzeitsrednerin aus Hamburg, wo das Wetter ja meistens nicht gerade tropisch ist, bin ich das ja gewohnt ;-). Und prima war es natürlich trotzdem!!

Foto Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Frage 2: Wie sieht denn der Berufsalltag einer Hochzeitsrednerin aus?

Also, die meiste Arbeit eines/r Trauredners/in passiert tatsächlich VOR der eigentlichen Trauung. Die Hochzeit selbst ist dann letztlich nur das i-Tüpfelchen, wo viele Stunden der Arbeit im Höhepunkt – der Trauzeremonie – gipfeln.

Ein typisches Merkmal am Beruf von uns Trauredner/innen ist, dass wir an vielen Samstagen und auch oft an Freitagen zwischen Mai-September nicht erreichbar sind, weil wir:

  • vormittags zu einer Hochzeit fahren,
  • dort aufbauen…

(ich bin z.B. 2 Stunden vorher bei jeder Trauung und baue meine Tontechnik und mein Stagepiano auf, mache einen gründlichen Soundcheck etc.)

  • die Trauung abhalten,
  • vielleicht noch beim Sektempfang eingespannt sind,
  • danach abbauen und
  • wieder zurückfahren.
Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Foto: Elfriede Liebenow

Dies entspricht in der Regel mindestens einem Arbeitstag von 8 Stunden, wenn nicht mehr. Dabei ist es mitunter eben auch die Fahrtzeit, die ganz schön ins Gewicht schlägt. Denn auch, wenn ich eine Hochzeitsrednerin aus Hamburg bin, begleite ich Trauungen in ganz Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Da kommen manchmal einige Fahrstunden zusammen ;-).

Und zwischen den Trauungen?

Am Sonntag liege ich dann meistens gern „tot gestellt“ auf dem Sofa und genieße das Nichtstun :-). Außer natürlich, ich treffe an so einem Sonntag vielleicht ein Brautpaar, mit dem ich ein Planungsgespräch führe. Oder ich habe ein neues Erstgespräch für die Pünktlichen, die im kommenden Jahr heiraten. Das ist auch ein typisches Phänomen unseres Berufs. Man plant gleichzeitig mit den Paaren, die in ein paar Monaten heiraten, lernt derweil Paare kennen, die in der nächsten oder übernächsten Saison heiraten möchten und hält dazwischen die Trauungen ab, die direkt anstehen. Ich kann nur sagen: Auch, wenn unser Beruf ein sehr kreativer ist, braucht man eine gute Buchhaltung und einige Listen, damit nichts durcheinander kommt ;-)!

Unter der Woche

  • schreibe ich an den Reden,
  • probe diese,Hochzeitsrednerin aus Hamburg
  • halte Kontakt mit den Paaren,
  • führe Gespräche,
  • bereite den gesamten Ablauf vor,
  • probe oder studiere neue Lieder ein,
  • bestelle bei Amazon Bastelzubehör, Eddings und andere Überraschungen für Rituale während der Trauung.

Ach ja, sowas Nerviges wie Steuern, Rechnungen schreiben, Buchhaltung im Allgemeinen usw. müssen auch wir Trauredner/innen erledigen. Das hat leider so gar nichts Kreatives oder Romantisches ;-). Insgesamt fließen letztlich 20-30 Stunden Arbeit in eine Trauung inklusive Planungsgespräche, Mailverkehr, Vorbereitung, Schreiben, Proben und der Trauung am Tag selbst.

Frage 3: Was macht man im Winter, wenn (fast) niemand heiratet?

Da mach’ ich dann Ferien :-)!

Zugegeben, die Wochenenden sind ab Oktober wieder freier. Viele von uns Trauredner/innen legen ihre Urlaubszeit daher eher in die Wintermonate.

Foto Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Wenn`s draußen schneit, ist auch bei mir Urlaub angesagt 🙂

So fahre auch ich meist im Oktober weg und im März. Bei mir gestaltet es sich praktisch, da mein Mann Bassist bei der Partyband „Atomic Playboys“ ist und ähnliche Saisonarbeitszeiten hat wie ich.

Aber natürlich haben wir Trauredner/innen und Musiker/innen nicht das ganze Winterhalbjahr Ferien. In dieser Zeit gehe ich – wie viele meiner Kolleg/innen – auf Hochzeitsmessen und stelle dort meine Arbeit als Hochzeitsrednerin aus Hamburg vor. Das will ebenfalls vorbereitet sein.

Übrigens: Am 11.03.2018 bin ich auf der Hochzeitsmesse im Zollenspieker Fährhaus dabei. Kommt gerne vorbei, ich würde mich sehr freuen :-)!

Zudem hat man in diesen Monaten auch Zeit, seine Buchhaltung oder die besagte Steuer auf Vordermann zu bringen, neue Werbestrategien zu planen, sich weiterzubilden, die Homepage zu überarbeiten, Kontakte zu anderen Dienstleistern zu pflegen etc. Ich für meinen Teil nutze die Zeit auch immer, um neue Fotoshows von Hochzeiten aus der Saison zu erstellen und neue Songs aufzunehmen. Dies schneide ich dann zusammen und stelle es auf YouTube online. So können zukünftige Paare einen Eindruck von meinen Zeremonien erhalten. Da auch dies viel Zeit in Anspruch nimmt, passen solche Projekte besser in die traufreie Zeit.

Foto Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Ein neuer Song entsteht…

Aber natürlich laufen auch die Kennenlerngespräche insbesondere im Herbst und Anfang des Jahres für die kommende Saison. Und ab Februar sitze ich spätestens bei Tee und Keksen mit meinen Paaren für Planungsgespräche zusammen. Also, auch im Winter wird uns nicht langweilig ;-).

Foto Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Mit einem leckeren Kuchen laufen Planungsgespräche gleich doppelt gut 🙂

Frage 4: Wie lernst Du die Paare kennen, die Du dann verheiratest?

Das ist wirklich ganz unterschiedlich. In Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen haben wir festgestellt, dass die Schwerpunkte, wie die Paare zu uns finden, nicht bei jedem gleich sind.

Der Weg über Google:

Bei mir persönlich ist es so, dass

  • ein Großteil der Paare durch das Internet, also quasi durch Google zu mir findet und dann über meine Homepage direkt Kontakt zu mir aufnehmen kann.
  • Nach diesem Erstkontakt folgt dann eine E-Mail meinerseits und wenn dieser erste Eindruck gegenseitig schon einmal passt, dann vereinbaren wir ein Kennenlerngespräch.
  • Dieses findet bei mir oftmals über Video-Skype statt. Der Vorteil: Auch Paare, die weiter weg wohnen, müssen sich nicht auf den Weg machen. Aber wir können uns trotzdem sehen und schauen, ob die Chemie stimmt.
  • Hamburger Paare oder Paare aus dem näheren Umland kommen auch gern zu mir nach Hause, mit wieder anderen telefoniere ich.

Ich persönlich kann sagen, dass für mich alle drei Varianten sehr gut funktionieren, um festzustellen, ob man auf der berühmten gleichen Wellenlänge liegt. Denn das ist ja das Entscheidende bei so einer persönlichen Zeremonie.

Der Weg über die Hochzeitsmesse:

Manche Paare lerne ich aber auch auf Messen kennen. Dort ist der Vorteil auf jeden Fall, dass man sich gleich persönlich gegenüber steht und ich kann oftmals live einen Eindruck von mir als Rednerin und Musikerin vermitteln und mein ganzheitliches Konzept der freien Trauung vorstellen. Das ersetzt nicht unbedingt das erste Kennenlerngespräch, aber zumindest wissen die Paare dann schon, wie ich spreche und agiere, wie meine Musik klingt etc.

Der Weg über die persönliche Empfehlung:

Das kennt sicherlich jeder. Das viel empfohlene Networking zahlt sich aus, wenn auch meist erst nach einiger Zeit. Außerdem ist es natürlich so: Je länger man dabei ist, desto mehr Jobs hat man gemacht und desto mehr wächst auch die Mund-zu-Mund-Propaganda. Da ich nun schon seit einiger Zeit als Hochzeitssängerin und Hochzeitsrednerin aus Hamburg und Umgebung arbeite, ist das bei mir mittlerweile eben auch der Fall. Ich freue mich immer sehr, wenn mir ein Paar schreibt, sie hätten mich z.B. von Freunden empfohlen bekommen, die einmal bei einer Trauung von mir dabei waren. Und natürlich empfehlen wir uns unter uns Dienstleistern gegenseitig ebenfalls weiter und bilden ein Netzwerk. Nicht nur unter den Rednern, sondern auch mit Fotografen, Dekorateuren, Locations etc.

Ihr seht also, auch in unserer heutigen Zeit geht nicht alles NUR über das Internet, auch wenn ich über Google tatsächlich die meisten Paare bekomme. Aber der persönliche Kontakt bleibt ebenfalls ein wichtiges Kriterium, was denke ich auch kein Wunder ist. Denn eine Hochzeit ist eine sehr persönliche Sache, da muss in allererster Linie die Chemie stimmen. Ihr wollt ja schließlich euren Tag genießen und auch im Vorfeld schon sicherstellen, dass er in eurem Sinne geplant und stattfinden wird.

Daher möchte ich an dieser Stelle alle Paare noch einmal ermutigen, die eine freie Trauung planen und noch auf der Suche nach passenden Dienstleistern sind: Nehmt einfach Kontakt auf, traut euch, Fragen zu stellen und Angebote einzuholen. Es ist EUER Tag und ihr allein bestimmt, wie er ablaufen soll!

Foto Blogartikel Hochzeitsrednerin aus Hamburg

Frage 5: Ist das ein Job, von dem man leben kann?

Oder auch: Machst Du das hauptberuflich oder nur so nebenbei?

Das ist eigentlich meine Lieblingsfrage und die wird mir auch am häufigsten gestellt. Das war auch bei meiner Tätigkeit als Musikerin immer schon so. Ich stellte mir selbst schon lange eine Gegenfrage: „Warum fragt Ihr das???

Lange Zeit habe ich diese Frage immer ziemlich persönlich genommen und innerlich gedacht: „Glaubt Ihr, ich mache das hier ALLES einfach so nebenbei? Nein! Da steckt viel Arbeit drin und ich spiele auch nicht nur nebenbei einfach so Klavier. Dann würde das anders klingen! Fragt Ihr den Handwerker oder Frisör auch, ob er das nebenbei macht?“ Grummel grummel ;-)…

Aber letztlich habe ich begriffen, dass diese Frage gar kein Angriff ist, sondern eine ehrliche Nachfrage nach einem besonderen Beruf, noch dazu ein künstlerisch-kreativer, und da weiß „man“ ja, dass es nicht einfach ist, davon zu leben.

Und, was soll ich sagen: Nicht nur künstlerische Berufe, alle Selbständigen haben es nicht gerade leicht in Deutschland. Das stimmt schon. Aber davon will ich hier gar nicht anfangen.

Der Beruf „Hochzeitsrednerin“ – ein hartes Brot?

Es gibt auf jeden Fall Redner, die diese Tätigkeit ganz bewusst nebenberuflich betreiben und auch einige, die ausschließlich von dieser Tätigkeit leben. Meistens führen diese dann zudem Trauerreden durch. Die freien Hochzeiten sind bis auf wenige Ausnahmen schon ein Saisongeschäft. Und so haben die meisten Trauredner/innen neben diesem Hauptstandbein auch noch ein Nebenstandbein oder einen gleichberechtigen Beruf. Vor allem in Regionen, in denen der Markt hart umkämpft ist, kann dies sinnvoll sein. Und so kenne auch ich den einen oder anderen Hochzeitsredner oder Hochzeitsrednerin aus Hamburg, bei denen das nur ein Nebenberuf ist, eben weil Hamburg und Umgebung hoch frequentiert ist und die „Konkurrenz“ stark.

In meinem Falle stellt der Hochzeitsjob meine eine Hälfte des Berufs und der Berufung dar. Zur anderen Hälfte arbeite ich als Gesangs- und Klavierlehrerin. Daneben erlaube ich mir noch, meinen eigenen Kompositionen und Konzerttätigkeiten nachzugehen und das ein oder andere Projekt anzuschieben. So bunt war es bei mir aber schon immer ;-). Ich bin damals nach meinem Musikstudium (erst in Hannover, danach an der Hamburg School of Music) direkt in die Selbständigkeit gestartet. Das Berufsleben mit mehr als nur „einem“ Job, wo die Grenze zwischen Herzensprojekt und Arbeit fließend sind, ist für mich normal und das alles zusammen ist mein Beruf. Ich kenne es nicht anders und deshalb hab ich die Frage wohl auch zunächst nicht wirklich verstanden. Daher kann ich sagen: Ich mache alle meine Jobs hauptberuflich und nie einfach nur etwas nebenbei. Nebenbei leg ich höchstens mal die Wäsche (oder sortiere meine Unterlagen für die Steuer ;-))!

Foto Birte Gäbel

Akten über Akten – ja auch das heißt Selbständigkeit 🙂

Dieses war nun der letzte Streich aus meiner Serie „Aus dem Nähkästchen einer Hochzeitsrednerin aus Hamburg“. Ich hoffe, meine kleine Serie hat euch gefallen und ihr seid nun ein wenig schlauer als vorher :-). Wenn ihr noch weitere Fragen habt, dann schreibt mir einfach. Ich beantworte sie gerne. Oder hinterlasst mir hier einfach einen Kommentar. Darüber würde ich mich sehr freuen!

 

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